kolletnèni (Mundart)
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(Banater Berglanddeutsche, Mai-Juni 1999)

Liebi Leit, i glaub, i hab’s !
 

Früher war ma lämurit, auch schon mal emotionat, mir habn vinete und sarmale gessen. Seit ma in Daitschland sein, schau ma an Grand Prix, hören uns Oldies an und essen dazu an Snack oder Pommes mit Ketchup. - Na Leit, merkt's was? Mir sein in da Bildung fortgschritten, mir ham ,,Neudeutsch" glernt. Auf alle Fälle zeigt tes, daß mir anpassungsfähig sein. Unsere Enkel sein ihrer Sprach' nach - sag ma mal Hessen, Pfälzer oder Bayern worn.  Unser scheenes aldes ,,Reschitzararisch" ist ins Hintertreffen graten.

Da jammert mancher, wie scheen's noch zu Großvaters Zeiten war und hat dabei die Pappen voll mit lauter "live" schaun und ,,Cola light" trinken, eßt zum Frühstück Croissants und Baguettes, zu Mittag Pizza oder Canneloni und vieles mehr. Mittlerweile haben's alli Sprachfeinheiten raus, die die Computerzeitmode so mit sich bringt. Es is erstaunlich, wie vielseitig mir sein.

Unser Leben hat sich um 180 Grad umdraht. Auf der Straß'n frag i an Bekannten: ,,Wohin gehst?" Sagt a: "Schaffen geh i". Schaffen is scheen und gut. Aber wer arbeit' dann noch, wenn alli nur schaffn?

Zum Glück kann ma noch in Bayern oder in Österreich mal a Gfrorenes essen, an Schmarrn, Palatschinken oder a Doboschtorten. Da geht ma a noch umatum, da is mancher abtraht oder a Spetzi, hat sich zamtacklt und macht Fisimatenten, kauft a Sulzn oder Paradeis, kocht Krumpirnnockerl oder Livanzen. Dort weiß ma noch, was a Kletzenbrot is. (Für die, die's vergessen haben: ein Weihnachtsstollen aus gedörrtem Obst mit Teigmantel und Gewürzen.) Aber was Salonzuckerl sein, weiß ma mittlerweile nidamal mehr in Wien am Christkindlmarkt.

Ist es nicht schade, daß die schönen alten Ausdrücke in Vergessenheit geraten? Sie klingen so gemütlich, lustig und urig. Im deutschen Literaturkreis in Reschitz wollten wir vor vielen Jahren diese Ausdrücke sammeln und für die Nachwelt festhalten. Leider haben es die damaligen Verhältnisse vereitelt.

Ich kenne so manche alte Lieder, war immer der Meinung, das sind Reschitzaer Lieder. Jetzt sehe ich mir alte Filme an und staune nicht schlecht, von wo diese Lieder herstammen. Aufnahmebereit und lernfähig waren wir schon immer.

Liebi Leit, i glaub, i hab's! Wäre es für junge Leute nicht interessant, so lange noch die Alten da sind, alte Redensarten, Sprüche, Geschichten von Reschitzaer Originalen aufzuschreiben oder auf Tonband aufzunehmen, zu sammeln, vielleicht sogar eine Sammlung von Mundartworten anzulegen? All das ist ein Kulturschatz. Er ist es wert, daß wir darüber nachdenken, wie wir ihn erhalten können. Denk ich.

Alsdann Grüß enk Gott, alli miteinander!
Grete Kollet 
(die Kolletneni vun da ,,Neuen Banater Zeitung")